Kennt Google uns besser als unsere Freunde? WhatsApp DBS Weinheim?!

Meistens nehmen die Eltern den Wechsel in die weiterführende Schule zum Anlass, den Kinder ihr erstes eigenes Handy bzw. Smartphone zu kaufen. Damit verbunden haben die neuen Fünftklässler quasi uneingeschränkten Zugang zum Internet und so in eine Welt, die für sie sehr schnell selbstverständlich wird und nicht mehr wegzudenken ist. Doch worauf muss man als Eltern achten? Was macht das Internet eigentlich gefährlich? Und was machen unsere Kinder die ganze Zeit im Netz? Diese und viele andere Fragen wurden eingängig und sehr kurzweilig am Abend des 9. November 2017 im Musiktheater der DBS-Weinheim von der Medienpädagogin Anna Schreier beantwortet. Die Expertin für Medienkompetenz arbeitet in der Medienwerkstatt im jubez in Karlsruhe, ist u.a. im Stadtjugendausschuss Karlsruhe (stja) aktiv und wirkt bei der Aktion Jugendschutz (ajs) mit.

Nach einem kurzen geschichtlichen Abriss zur rasanten Entwicklung des Internets vom Web 1.0 zum heutigen Web 4.0, dem Internet der Dinge, verdeutlichte Frau Schreier den Stellenwert eines Smartphones im Leben eines Jugendlichen. Es ist ein sehr persönlicher Gegenstand und mit einem Tagebuch gleichzusetzen. Aus der JIM-Studie 2016 (Jugend, Information, (Multi)Media) weiß man, dass Jugendliche im Schnitt 200 Minuten, also mehr als 3 Stunden, am Tag online sind. Was machen die Kinder und Jugendlichen eigentlich so lange im Netz?

Schreier zählt auf: sie chatten, hören Musik, schauen Videos und Fotos, laden Fotos und Videos hoch, googeln, spielen digitale Spiele, schauen, ob Unterricht ausfällt und wo der Treffpunkt fürs Training ist, lassen sich morgens wecken und schauen wie das Wetter heute wird und noch vieles, vieles mehr.

Unangefochtene Nummer eins ist dabei YouTube. Namen wie Gronkh, Bibis Beauty Palace, Daggy Bee und LeFloid hören die meisten Eltern zum ersten Mal. Die beiden Schüler der Technik-AG, Benni und Sebastian, die sich darum kümmern, dass während des Vortrags technisch alles einwandfrei funktioniert, belächeln derweil die Erwachsenen über ihr Unwissen. Denen bietet es sich geradezu an, den Tipp von Frau Schreier zu Hause mal auszuprobieren und beim eigenen Kind z.B. mal nachzufragen: „Und wie fandest Du das letzte Video von LeFloid?“

Neben YouTube nutzen die Jugendlichen vor allem WhatsApp, Snapchat, Instagram & Co. Hier warnt Frau Schreier eindringlich, spricht sogar von einem „Tornado“, welcher auf uns zu kommt. Die Botschaft dahinter lautet: die Privatsphäre lässt sich bei der Nutzung dieser sozialen Netzwerke kaum schützen. Denn der Einzelne hinterlässt bei jeder Nutzung Spuren im Netz, diese Daten werden ausgewertet und dann zu detaillierten Persönlichkeitsprofilen zusammengesetzt. Aus 227 „Likes“ kann Google ein besseres Persönlichkeitsprofil eines Nutzers zeichnen als Freunde und Partner. Als sensibilisierte Nutzer können die Jugendlichen allerdings dafür sorgen, dass nur bewusst freiwillige Informationen preisgeben werden. Neben ein paar sehr nützlichen, praktischen Tipps, wie man z.B. durch einfache Einstellungen ein Mehr an Privatsphäre am Computer bzw. Smartphone erreichen kann, betont Schreier wie wichtig es ist, mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch zu bleiben. Dabei gilt es, sie auf die Gefahren, die bei der Nutzung solcher Chats auftreten können hinzuweisen, und vor allem als verlässlicher Ansprechpartner da zu sein, wenn etwas „Unschönes“ im Chat zu sehen oder lesen war.

Häufig ist den jugendlichen Nutzern und deren Eltern nicht bewusst, dass z.B. das Weiterschicken von Bildern, Videos oder Kommentaren, die nicht für die Mehrheit gedacht sind, strafbar ist, oder dass mit einem Klick so allerhand Unerwünschtes und oft Teures online bestellt werden kann. Als besonders bedenklich stuft die Referentin den problemlosen Zugriff der Kinder und Jugendlichen auf gewaltverherrlichendes und pornographisches Material ein. Doch wie mache ich mein Kind stark, um altersgerecht online zu gehen?

Wenn man als Eltern an dieser Stelle an seine Grenzen kommt, hat man in Weinheim das Glück die „Weinheimer Jugendmedien“ zur Unterstützung heranziehen zu können. Sven Holland nutzte den Abend, um der interessierten Elternschaft sein Unternehmen vorzustellen. Die „Weinheimer Jugendmedien“, bisher vor allem Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Sachen Medienkompetenz bekannt und u.a. auch erfolgreich an der DBS im Rahmen des Basiskurses Medienbildung in Klasse 5, bieten jetzt auch Elternseminare und Eltern-Kind-Workshops an (Informationen unter http://jugendmedien-weinheim.de/).
Frau Schreier stellte schließlich eine Link-Liste mit hilfreichen Tipps, die auf der Homepage der DBS abrufbar ist, zur Verfügung (http://dbs-weinheim.de/der-schulverbund/gymnasium/schulgemeinschaft/eltern/was-tun/um-ihr-kind-stark-zu-machen-altersgerecht-online-zu-gehen/ ).

Der Vortrag gewährte einen guten Einblick in die „Online-Welt“ eines Jugendlichen und gab den Zuhörern hilfreiche Tipps und Anregungen mit auf den Weg. Die beste Prävention, darin waren sich die Referenten einig, bestehe nicht darin, die Nutzung neuer Medien rigoros zu verbieten. Vielmehr wird von den Eltern ein großes Maß an Eigeninitiative gefordert, um einen verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Medien bei und mit ihren Kindern zu erreichen. Und dabei sind nicht zuletzt die Eltern die wichtigsten Vorbilder bei der Nutzung der digitalen Medien.

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Vortrag Medienkompetenz