Schülergruppe besucht die KZ-Gedenkstätte Dachau

Bahnhof Dachau, kurz nach halb fünf. Einsteigen in den Bus Nummer 726. Die Schülergruppe benötigt nur 20 Minuten mit der S-Bahn von München nach Dachau. Dort hatte sie zuvor einiges über die Geschichte des Nationalsozialismus in der bayrischen Hauptstadt erfahren. Dachau, auf den ersten Blick eine ganz normale Kleinstadt, steht 74 Jahre, nachdem die Alliierten die noch lebenden Häftlinge befreit haben, nach wie vor im Schatten des gleichnamigen Konzentrationslagers. Dort haben die Nazis rund 41.000 Menschen vor den Toren der Stadt ermordet.

Untergebracht sind die Schülerinnen und Schüler in der Jugendherberge Dachau. Das Haus ist nicht nur eine Herberge, sondern auch Studienzentrum, benannt nach Max Mannheimer, einem ehemaligen Häftling des KZs. Portraits und Zitate weiterer ehemaliger Häftlinge erzählen an den Wänden der Gemeinschaftsräume von deren Schicksalen. Die Schülerinnen und Schüler bereiten sich schon seit Anfang des Schuljahres auf diese Reise vor. Ihnen ist bewusst, dass es bei ihrem Besuch nicht darum geht, mit ihren Schulfreunden und –freundinnen eine gemeinsame Zeit abseits des Schulalltags zu verbringen, sondern darum, auf eines der dunkelsten Kapitel unserer Geschichte zu treffen, bei dem sie sich mit den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinandersetzen werden.

Abends arbeiten sich die Schüler mit den begleitenden Geschichtslehrern auf das Gedenken zunächst theoretisch ein. Doch weil an authentischen Orten mehr Erinnerungen verbürgt sind als in jedem Geschichtsbuch, reist das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium mit geschichtsinteressierten Schülerinnen und Schülern zu diesem, seit 1965 – auf Initiative ehemaliger Häftlinge – offiziellen Erinnerungsort, in das Konzentrationslager Dachau. Ziel der Exkursion, die finanziell vom Förderverein der Schule (FIDIBUS) unterstützt wird, ist die Vorbereitung der Schülergruppe auf die jährliche Gedenkveranstaltung am 27. Januar. Dieser Tag, seit 1996 nationaler Gedenktag, erinnert an die Befreiung des Vernichtungslager Auschwitz und an alle Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft und soll von den Jugendlichen gestaltet werden.

Für die DBSler geht es zunächst zu Fuß von der Jugendherberge ins Lager. Dabei laufen sie an der ehemaligen „Straße der SS“, heute „Straße der KZ-Opfer“ entlang. Der größte Teil des ehemaligen Lagers, das früher von der SS genutzt wurde, gehört heute der Landespolizei und kann nicht besichtigt werden. Der kleinere Teil, in dem früher die Häftlinge untergebracht waren, ist heute Gedenkstätte.

Den Eingang markiert das Tor mit der bekannten zynischen Aufschrift „Arbeit macht frei“. Es ist nach einem Diebstahl nicht mehr original. Auch zwei Baracken sind nur Nachbauten. „Die Flüchtlinge, die nach dem Krieg hier untergebracht waren, haben die Bauten komplett umgestaltet. Sie wurden später abgerissen“, erklärt die Mitarbeiterin der Gedenkstätte. Vor den beiden Baracken erstreckt sich der riesige Appellplatz. „Ehemalige Häftlinge wissen heute noch, wo sie damals stehen mussten.“ Auch die brutale Gewalt, die Attacken der Hunde, sind ihnen in Erinnerung geblieben. Schnell ist die Zeit vorbei. Für die Besichtigung des Museums bleibt leider nur wenig Gelegenheit.

Am Ende nach zweieinhalb Stunden Führung wird noch einmal über die Eindrücke und die zu Beginn des Besuchs formulierten Erwartungen reflektiert. Schülerin Anne Marie befürwortet Pflichtbesuche in KZ-Gedenkstätten, so wie sie in Bayern üblich sind. „Viele können sich das Ausmaß nicht vorstellen.“ Die haben nur ein Halbwissen“ „und erzählen dann Blödsinn“. „Man kann zu dem Thema nie genug lernen,“ findet die Gruppe.

Nun noch schnell Mittag essen, dann läuft die Gruppe zu Bus Nummer 726 und fährt schließlich mit der Bahn zurück in Richtung Weinheim.

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