Von Streichquartett bis Big Band Samba

Weinheimer Nachrichten, 08. April 2019

Beim Orchester- und Kammerkonzert „La Danza“ der Dietrich-Bonhoeffer-Schule sind unter Leitung von Wolfram Schmidt nicht nur Tänze äußerst wandelbar

„Ich hatte ja schon gewusst, dass wir ein tolles Orchester haben“, sagte Schulleiterin Gudrun Aisenbrey am Ende des eineinhalbstündigen Konzertes. Das war schon bei anderen Gelegenheiten im Musiktheater der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) zu hören gewesen. Dass sich aber aus der Mitte dieses von Wolfram Schmidt zu enormer Leistungsdichte zusammengeführten Orchesters kleinere Einheiten herauslösen und zu durchweg hörenswerten Interpretationen bewegen lassen, war eine ganz neue Erfahrung, die das erste Orchester- und Kammerkonzert der DBS am Freitagabend bescherte.

Das Thema Tanz zog sich als roter Faden durch den Abend, und es war erstaunlich vielfältig, was Schmidt und seine Schüler von der 5. Klasse bis zur Jahrgangsstufe 12 da zu einem musikalisch bunten Programm zusammengetragen hatten. Da durfte sich Peer Härtel nach seiner geschmeidigen Melodieführung beim „Libertango“ von Piazzolla von den beiden Moderatorinnen Lydia Eich und Hannah Grosch zurecht als Tangokönig bezeichnen lassen.

Rhythmus-Fundament

Das große Orchester kann sich indessen auch auf Schlagzeuger Max Hardt verlassen, der wie eine Rhythmusmaschine den Laden zusammenhält und feinfühlige Akzente setzt. Auf diesem Fundament wächst das Selbstbewusstsein des fast 40 Musikerinnen und Musiker zählenden Orchesters. Da agieren die Trompeten bei der Filmmelodie „Charade“ von Henry Mancini im Showrhythmus und bieten auch was fürs Auge.

Überhaupt strotzt diese begabte „Meute“ geradezu vor Selbstsicherheit, insbesondere bei seinen Paradestücken wie den Flamenco „Esmeralda“ und ganz am Ende des vielumjubelten Auftritts beim Samba „Mas Que Nada“ und bei der Zugabe „Final Countdown“.
Um die Zukunft muss dem musikalischen Leiter Wolfram Schmidt nicht bange sein. Auch das Orchester der 5. Klassen zeigt sich unter seinen Fittichen mutig, hielt zur Eröffnung des Konzertes bei Renaissance Tänzen lupenrein den stringenten Rhythmus und spielte beim Frühlingstanz aus dem Sauerland geradezu schwebend und flott daher.

Mitreißendes Trompeten-Solo

Kreuz und quer reisten die DBS-Schüler durch Länder und musikalische Epochen. Frieder Schütze riss beim „Charleston“ mit seinem Trompeten-Solo die Zuhörer von den Stühlen, Hannah Grosch zeigte sich dem hohen Schwierigkeitsgrad an der Geige bei einem „Fuchstanz“ gewachsen, und sogar ein Streichquartett tauchte bei „Ecossaise“ von Schubert auf, wobei Carmen Hachmann, Viola Weinreich, Hannah Grosch und Lydia Weinreich mit diesem besonders anspruchsvollen Beitrag auch Schottland auf dieser imaginären Tanzreise durch die Länder besuchten.

Es machte Freude zu hören, dass auch ausgefallene Arrangements mit Mut, Beherztheit und dem nötigen Talent bewältigt wurden. Dass die große, dunkle Tuba mit dem Akkordeon und der Trompete zusammenfindet, kommt selten vor. Aber bei der Münchner Polka waren Arne Ferchland, Peer Härtel und Frieder Schütze ein ansteckend humorvolles Trio, während später im Konzert Marina Zivkovic und ihre singende Freundin am Klavier, Olivia Fee Raab, bei „I Wanna Dance With Somebody“ den guten alten Dancepop wieder auferstehen ließen.

Riesenbeifall am Ende für alle, verbunden erneut mit der Gewissheit, dass die Freude am Instrument erstaunliche Kräfte mobilisiert.
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Kammerkonzert