Schreiben mit rasendem Herzen

Weinheimer Nachrichten, 13. Mai 2019

Antje Herden erhält für den Roman „Keine halben Sachen“ den Peter-Härtling-Preis. Die Preisverleihung bei Beltz ist verbunden mit einer kurzen Lesung und Kostproben eines Workshops mit Siebklässlern des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums.

Weinheim. Antje Herden war sichtlich gerührt, als sie gestern für ihren Roman „Keine halben Sachen“ den Peter-Härtling-Preis entgegennahm. Für die 48-jährige Autorin, die 2003 Finalistin beim Deutschen Poetry Slam war und 2010 ihren ersten Kinderroman veröffentlichte, ist ihr preisgekrönter erster Jugendroman ein weiterer wichtiger Schritt in ihrer Laufbahn.


„Es ist herrlich, wenn man beim Schreiben einfach das Herz losrasen lassen kann“, gab die Preisträgerin bei der Verleihung in der Buchhandlung Beltz Einblick in leidenschaftliche Momente am Schreibtisch. Dabei hat sie, wie der Vorsitzende der Jury, Tilman Spreckelsen, in seiner Würdigung sagte, auf den 136 Romanseiten bis zur letzten Seite literarische Haken geschlagen.

Die Geschichte handelt vom 15-jährigen pubertären Robin, der sich einsam und gelangweilt durch den Schulalltag schleppt, ehe er den coolen, selbstsicheren Leo trifft. Es beginnt die Geschichte eines Absturzes, die zugleich die Geschichte einer Selbstfindung ist, denn zwischen Drogenkonsum und erster Liebe gibt es auch Ängste und Hoffnungen und es verschieben sich Realitäten. Was Spreckelsen und der ganzen Jury besonders gefiel, war die Tatsache, dass der bisweilen aufwühlende, packende und in Jugendsprache verfasste Text den Leser integer in seinem Urteil lässt. Wie unvermeidlich das Hineinschlittern in der Konstellation ihrer Hauptfiguren ist, ließ Antje Herden bei einer Kostprobe aus ihrem Buch hören. Gunnar Fuchs, der Leiter des Weinheimer Kulturbüros, hatte bei der kurzen Lesung deutlich herausgehört, dass auch der Sprachduktus von Poetry Slam stilistisch mitschwingt. „Ja, ich lese mir alles nochmal laut vor, um den Rhythmus und den Klang des Textes genau im Ohr zu haben“, sagte die Autorin, die vor zwei Wochen bei einem Workshop Schüler einer 7. Klasse des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums Schreiberfahrungen vermittelte. Die Ergebnisse in Form von Manuskriptseiten gaben gestern mit Wäscheklammern an einer Leine befestigt einen dekorativen Rahmen. Außerdem lasen zwei 12- und 13-jährige Schülerinnen und ein Schüler einige Texte vor, in denen schöne Momente in Marmeladengläsern konserviert oder eine spannende Szene beschrieben wurden. Über den Realitätssinn und die anrührende Sprache des preisgekrönten Romans hätte sich auch Peter Härtling gefreut. Da war sich Jury-Mitglied Barbara Gelberg sicher. Auf Härtlings treffsichere Bewertungen der Texte musste man schmerzlich verzichten, sagten die Lektorin und Laudator Spreckelsen. „Peter Härtling fehlt sehr“, war der Satz, der die Trauer über den verstorbenen Namensgeber ausdrückte. Dass die Verbundenheit zur Familie fortbesteht – Härtlings Ehefrau und sein Sohn waren zur Preisverleihung gekommen – freute Marianne Rübelmann, Gesellschafterin der Unternehmensgruppe Beltz. Den Preis wird sie auch nach dem vor Jahren bei der Förderung erfolgten Ausstieg der Stadt Weinheim fortführen.

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