Auf Vespa und mit Walzer in Ruhestand

Weinheimer Nachrichten vom 25. Juli 2019

Der Schulverbund der Dietrich-Bonhoeffer-Schule bereitet seiner langjährigen Leiterin Gudrun Aisenbrey einen sehr emotionalen Abschied. Am Ende heißt es: „Ciao Bella!“

Weinheim. Diesen Tag wird Gudrun Aisenbrey nie vergessen. Das liegt nicht nur an der Tatsache, dass es gestern bei ihrer Verabschiedung in der Aula der Dietrich-Bonhoeffer-Schule so heiß war, dass die gelben Programmzettel von den meisten der über 200 Gäste zum Fächeln verwendet wurden. Das Unvergessliche begann schon, als die Oberstudiendirektorin am Morgen in die Schule kam und von Realschulrektor Jascha Detig zu einer Fahrt auf einer Vespa um die Schule eingeladen wurde.

Immer wieder wurde bei der zweieinhalbstündigen Feier deutlich, dass Gudrun Aisenbrey in den elf Jahren Leitung des Schulverbundes von Kollegen, Schülern und Eltern sehr geschätzt wurde. Vor allem ihr zugewandtes Wesen, ihre empathische aber zugleich sachliche und zielorientierte Art, Menschen zu begegnen, Aufgaben anzupacken und Probleme zu lösen, wurde immer wieder in den Reden hervorgehoben.

„Sie haben der Schule gutgetan“, sagte Peter Busch für den Personalrat. „Sie ist das Herz der Schule“, stellten gar Nicola Weikart-Martens und Corinna Zschippig im Namen der Eltern fest und ließen Aisenbrey auf einer von einem Odenwälder Schreiner speziell für sie gezimmerten Ruhebank Platz nehmen.

Fast immer bei ihren Schülern

„Sie war immer dabei“, stellten Schüler in einem Film dankbar fest, den die Schülersprecher Max Hardt und Fred End zeigten. Die Schulleiterin stand mit ihrer Person voll und ganz für den Schulverbund. Sie lebte ihn, gehörte auch nach Feierabend zu den Gästen bei Theateraufführungen, Konzerten oder Sportveranstaltungen von und mit ihren Schülern. Auch beim 31. Triathlon gab sie am Dienstag am Waidsee nochmals den Startschuss.

Ein ums andere Mal musste sich Gudrun Aisenbrey Tränen aus dem Gesicht wischen. Zum Beispiel als zahlreiche Lehrer der Schule zu „This Is Me“ von Keala Settle tanzten und dazu Bilder aus elf ereignisreichen Jahren auf die Wand projiziert wurden. Auch der Spitzentanz der „Zuckerfee“ Luisa Eckert aus dem „Nussknacker“, das von den Lehrern Lisa Bauer und Manuel Steegmüller sehr einfühlsam gesungene „Shallow“ (Lady Gaga, Bradley Cooper) und das „Auf Wiedersehen“ der Chöre der Schule zur Musik des Schulorchesters unter Leitung von Wolfram Schmidt verfehlten ihre Wirkung nicht.

Neben der besonderen Persönlichkeit der Schulleiterin blieben allerdings auch ihre herausragenden Erfolge nicht unerwähnt. Anja Bauer, Abteilungspräsidentin des Regierungspräsidiums Karlsruhe, stellte, ehe sie die Urkunde zum Ruhestand überreichte, fest: „Sie haben viel bewegt und Großes geleistet.“ Vor allem, dass sie ein menschenfreundliches und den einzelnen Schüler förderndes Leitbild mitgeprägt und entwickelt habe, sei ihr hoch anzurechnen. Außerdem erinnerte Bauer an das hervorragende Abschneiden der Schule bei der Evaluation.

„Es waren gute elf Jahre für die Dietrich-Bonhoeffer-Schule und den Schulverbund“, hatte schon Weinheims Oberbürgermeister Manuel Just gesagt, der ebenso wie sein Amtsvorgänger Heiner Bernhard und Erster Bürgermeister Dr. Torsten Fetzner zur Verabschiedung gekommen war. Just erwähnte noch einmal den Moderationsprozess, der 2013 der Zusammenlegung beider Werkrealschulen Weinheims an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule vorausgegangen war.

Über einen weiterhin zur DBS stehenden Schulträger konnte sich die scheidende Schulleiterin auch noch freuen. Manuel Just versicherte in seiner Ansprache: „Ich sage der Schule hier vor Hunderten von Zeugen zu, dass die begonnene Sanierung der Sporthalle auf jeden Fall fortgesetzt wird.“ Der Beifall der Zuhörer war ihm natürlich sicher.

Die mutig, klug und beharrlich agierende Schulleiterin – so Rektorin Katja Hoger im Namen der Weinheimer Schulleiter – wird vielen fehlen. Gudrun Aisenbreys Stellvertreterin an der DBS, Andrea Volz, übernimmt die Schulleitung übergangsweise kommissarisch und erinnerte sich in ihrer Begrüßungsrede zur gestrigen Feier noch an die Zeit, als sich Gudrun Aisenbrey vor elf Jahren als selbstbewusste, energiegeladene Bewerberin in Weinheim vorgestellt hatte.

„Sie lebt für den Schulverbund“

Die damals schon von ihr gezeigte Begeisterung für Schule hat sie sich bis zum letzten Arbeitstag bewahrt. „Sie steht und lebt für den Schulverbund. Dadurch gab sie uns allen Orientierung und Halt“, lobte Realschulrektor Jascha Detig, ehe er an einer Wand den großen Schriftzug „Ciao Bella“ für seine in den Ruhestand gehende Schulleiterin enthüllte. Anschließend forderte er sie zu einem Walzer auf.

Die Abschiedsrede von Gudrun Aisenbrey wurde in großen Teilen zu einer Dankesrede. „Es ist schwer zu gehen, vor allem nach all dem, was ich gerade erleben durfte“, sagte sie.

Sie bekannte noch einmal, mit Freude Schulleiterin gewesen zu sein, und wie ihr der Ruhestand bekommen wird, weiß sie noch nicht genau. „Das Unterrichten wird mir fehlen, das Korrigieren überhaupt nicht“, sagte sie, äußerte aber zugleich auch die Freude darüber, künftig mehr für die Familie, vor allem für ihren Mann Werner da sein zu können, der ihr in all den Jahren stets den Rücken stärkte.
dra

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