Verbote sind nicht zielführend

Weinheimer Nachrichten vom 05. Dezember 2019

Dietrich-Bonhoeffer-Schule: Tipps für die Medienerziehung.

Weinheim. Einen sehr informativen Abend erlebten gut 70 interessierte Eltern an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule. Die Veranstaltung ist ein Baustein im mittlerweile vielfältigen Angebot der Schule im Bereich Medienerziehung.

„Wann soll ich meinem Kind ein Handy kaufen?“, diese Frage wurde dem Referenten Sven Holland (Weinheimer Jugendmedien) mehrfach gestellt. Doch leider lässt sich diese wie viele andere Fragen zum Thema „Handynutzung und Co.“ nicht direkt beantworten.

Holland gab daher den Eltern zunächst einen Einblick in die Medienwelt ihrer Kinder. Spiele wie „Fortnite“ und „Brawl Stars“ oder Selbstmachvideos auf „TikTok“ und „Snapchat“ gewährten oftmals nur für ein kurzes Zeitfenster spezielle Spielmöglichkeiten oder Einblicke in die Welt beliebter Popstars. Aber auch schon bei „Whatsapp“ wolle man nichts versäumen. Nicht selten führe dies bei Kindern (und auch Erwachsenen) zu einer permanenten Angst, etwas zu verpassen, auch FOMO (Fear of missing out) genannt.

Offener Austausch ist wichtig

Des Weiteren spielten viele Kinder nicht immer nur selbst im Internet, bei Youtube werde oft ein Video nach dem anderen angeklickt, welche erfolgreiche Gamer (Videospieler) dort eingestellt haben; beispielsweise hat der Videogamer „Grongh“ fast fünf Millionen Follower. Außerdem seien dabei auf Youtube Szenen aus dem Videospiel GTA (Grand Theft Auto) zu sehen, welches aufgrund vieler gewalttätiger und pornografischer Szenen erst ab 18 Jahren zugelassen ist; Youtube zensiert diese Inhalte aber nicht.

Holland rät daher, auch wegen vieler anderer Gefahren im Internet, zu einem offenen Austausch mit dem Nachwuchs. Verbote seien dabei nur selten hilfreich, weil sonst zum Beispiel beim Freund vieles gemacht werde und die Eltern nichts davon erfahren würden.

Wenn Kinder dann noch verstörende Inhalte sehen und sich anschließend nicht trauen, mit ihren Eltern darüber zu reden, kann dies letztendlich noch schlimmere Folgen haben.

Interesse zeigen

Eltern sollten daher gut informiert sein und ihre Kinder fragen, welche Apps sie benutzen. Kinder erzählen nicht nur meistens, welche Apps sie benutzen, sondern freuen sich auch oft über das Interesse von Papa und Mama, weiß Sven Holland zu berichten.

Lisa Klink, Schulsozialarbeiterin an der DBS, ergänzte noch, dass Eltern bei Problemen (in diesem, aber natürlich auch anderen Bereichen) den Kontakt zur Schulsozialarbeit suchen sollten, um gemeinsam zu überlegen, was getan werden kann.

Im weiteren Verlauf des Abends konnte Peter Plattmann (Präventionslehrer des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums) ergänzen, dass viele Themen auch im Fachunterricht, in Klassenlehrerstunden, bei interaktiven Theaterstücken und durch die schulinternen Medienscouts bearbeitet werden.

Und wann soll nun ein Handy gekauft werden? Holland rät: genau überlegen, welchen Zweck das Smartphone erfüllen soll, ob das Kind sich auch an Vereinbarungen halten kann, und klären, was bei Missachtung dieser Regeln passiert. Wichtig sei, sich mit den Sicherheitseinstellungen des mobilen Telefons vertraut zu machen, damit zum Beispiel keine Kostenfallen entstehen können.

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