„Das dicke Brett der Digitalisierung“

Weinheimer Nachrichten vom 11. Januar 2020

Der Medienentwicklungsplan für die Dietrich-Bonhoeffer-Schule steht

Weinheim. Tablets im Unterricht, den Smart-TV an der Wand und die programmierbare Drohne in der Luft: Für die Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) ist „Digitalisierung aus einem modernen Unterricht nicht mehr wegzudenken“. So steht es im Medienentwicklungsplan, den die Schule im Herbst vergangenen Jahres beim Landesmedienzentrum eingereicht hat und der kurz vor Weihnachten zur Freigabe empfohlen wurde. Die DBS ist damit die 19. Schule in Baden-Württemberg und die erste in Weinheim, die diese Voraussetzung erfüllt, um Gelder aus dem „Digitalpakt Schule“ abrufen zu können.

Tobias Tempel hat das etwa 30-seitige Dokument der DBS mit seinen Kollegen Fabian Bergwitz, Tobias Rauch, Philipp Scheffzek und Sebastian Schneid erstellt. „Es war eine Gratwanderung, weil man visionär nach vorne blicken muss, ohne zu wissen, wo die Entwicklung hingehen wird“, beschreibt er den Prozess, der im Mai 2019 begann. Hinzu komme, dass die DBS vier Schulformen vereine, die jeweils eigene Anforderungen an die Digitalisierung stellten. So sei das Gymnasium bereits erfahren im Umgang mit Tablets, an der Grundschule seien diese Geräte dagegen bisher kaum zum Einsatz gekommen.

1,7 Millionen Euro für Weinheim

Beim Digitalpakt geht es allerdings um mehr als um Endgeräte. Fünf Milliarden Euro stellt der Bund für die Digitalisierung der Schulen bereit. 1,7 Millionen davon stehen den Schulen in Weinheim zu. Aufgestockt um den kommunalen Eigenanteil von 20 Prozent sind es über zwei Millionen. Pro Schule dürfen allerdings maximal 25 000 Euro für Tablets, Whiteboards und Co. ausgegeben werden, teilt Tim Scheil vom Weinheimer Amt für Bildung und Sport mit. „Das sind Peanuts.“ Sein Kollege Markus Zitron, den die Stadt vor einem Jahr eingestellt hatte, um die Digitalisierung der Schulen zu begleiten, pflichtet ihm bei: Breitbandanbindung, Datenverkabelung, ein flächendeckendes und stabiles WLAN und nicht zuletzt die Betreuung und Wartung dieser Infrastruktur gehörten dazu. „Das ist das dicke Brett der Digitalisierung.“

„Der Mensch ist analog“

Wie viel Geld die DBS am Ende tatsächlich bekommen wird, ist noch unklar. Zunächst muss nun die technische Planung erfolgen – die zweite Voraussetzung, um Gelder abzurufen. Auch, wie sich die Gesamtsumme aus dem Digitalpakt auf die einzelnen Schulen in Weinheim verteilen wird, steht noch nicht fest. Werner-Heisenberg-Gymnasium, Friedrich-Schule, Pestalozzi-Grundschule und Hans-Joachim-Gelberg-Grundschule würden ebenfalls an Medienentwicklungsplänen arbeiten, erklärte Scheil.

Damit die Ideen aus dem Plan der DBS wirklich umgesetzt werden, sobald das Geld fließt, sei es zentral, dass möglichst viele Lehrer mitziehen, meint Tempel: „Wir Lehrer müssen uns umstellen und uns schulen.“ Bisher stelle er im Kollegium eine große Offenheit fest. IT-Berater Zitron versucht, die Lehrer mit niedrigschwelligen Lösungen abzuholen. Sein Ziel: Es sollen möglichst wenige Geräte zum Einsatz kommen, mit denen man dann möglichst viel machen kann. Paradebeispiel ist das Tablet, das sich zum Beispiel als Dokumentenkamera eignet, also kombiniert mit einem Smart-TV sozusagen einen moderner Overhead-Projektor bildet.

Bei allen Unsicherheiten, die die Digitalisierung mit sich bringt, bleibt für das Projektteam der DBS und IT-Berater Zitron klar: Unterricht wird immer auch analog stattfinden, „weil der Mensch analog ist“, sagt Zitron. Bergwitz ergänzt: „Unsere Aufgabe ist es, die perfekte Integration von Digitalem und Analogem zu finden.“

tho

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