"Ein Tag wie ein Mahnmal"

Weinheimer Nachrichten vom 28. Januar 2020

Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule erinnern mit Edgar Kupfer-Koberwitz an die Opfer des Holocaust

Weinheim. Der 27. Januar: 1945 war er ein Samstag. Sowjetische Soldaten befreiten die Gefangenen des Konzentrationslagers Auschwitz. Ein Ort, der wie kaum ein anderer den Massenmord der Nationalsozialisten an Juden und anderen Verfolgten des NS-Regimes symbolisiert. Ein Tag, der seit 1969 in Deutschland dem Gedenken gewidmet ist: an die Opfer des Holocaust – in Auschwitz und anderswo.

75 Jahre später ist der 27. Januar ein Montag. Zehn Schülerinnen und Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule (DBS) gestalten im Musiktheater ihrer Schule die zentrale Gedenkfeier der Stadt Weinheim. „Ein Tag wie ein Mahnmal“ ist der 27. Januar für Schulleiterin Andrea Volz. Er dürfe nicht, wie manch anderes Mahnmal, in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund rufen die Schülerinnen und Schüler in Erinnerung, was vor mehr als 75 Jahren geschah.

Ihr Vortrag beginnt im September 1940. Auf der italienischen Insel Ischia wird der deutsche Schriftsteller Edgar Kupfer-Koberwitz verhaftet. Offenbar hat er sich abschätzig über das deutsche Regime geäußert. Er kommt ins Konzentrationslager Dachau, muss als Schreiber in einem der Außenlager arbeiten. Heimlich führt er ein Tagebuch.

"Lieber Gott, mach mich stumm, damit ich nicht nach Dachau kumm" ("Flüsterwitz" aus der NS-Zeit)

Als „Musterlager“ galt dieser unmenschliche Ort vor den Toren Münchens in der NS-Zeit. Gleichzeitig behaupteten die Nazis, dort werde niemandem ein Haar gekrümmt. Doch, so berichten die Schüler, die Bevölkerung wusste zumindest teilweise Bescheid, wie sich an einem bekannten „Flüsterwitz“ zeige. Er verdeutliche auch: Dachau war ein Instrument der Mächtigen, um die Bevölkerung einzuschüchtern. Damit die Verfolgten ohne Hilfe blieben.

Am 29. April 1945 wurde das Lager von US-Truppen befreit. Mehr als 200 000 Menschen waren in den zwölf Jahren seines Bestehens dort inhaftiert. 41 500 wurden ermordet. Kupfer-Koberwitz überlebte, ging in die USA und veröffentlichte seine Tagebücher.

Die Lehren, die die Schülerinnen und Schüler aus seinen Aufzeichnungen und ihrem Besuch in Dachau ziehen: Auch heute unterdrückten viele Mächtige die Hilflosen – so zum Beispiel die chinesische Regierung die muslimische Minderheit der Uiguren. Doch auch in Deutschland sei menschenverachtendes Gedankengut vorhanden. Sie appellierten daher nicht nur für gegenseitigen Respekt, sondern forderten auch, sich aktiv über die Vergangenheit und die Politik der Gegenwart zu informieren. Mit ihrem Engagement für die Gedenkfeier zeigten die Schülerinnen und Schüler der DBS, wie lohnenswert das sein kann.

tho

Mitwirkende: Vincent Ebert, Valentin Fuchs, Samuel Grosch, Lars Hasieber, Charlotte Müller, Florian Oehlschläger, Annemarie Reimers, Deria Yousif (Vortrag), Anna Meiertoberens, Joris Druskeit (Musik), Rolf Riedinger (Leitung).

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